Praxis Bericht dbh Logistics IT AG

Amalia Arabella Vosteen, Vertragsmanagerin bei der dbh Logistics IT AG

Es ist mal wieder nötig. Ich sitze beim Frisör und ein Auszubildender
wäscht mir die Haare. Er dreht das Wasser an und meine langen Haaren werden an den Spitzen benetzt. Er fragt mich direkt, ob die Temperatur stimme. Ich antworte artig, dass es toll sei, bin jedoch innerlich äußerst irritiert. Ich frage mich, wie ich wissen soll, wie die Temperatur des Wassers ist. Denn meine Haarspitzen sind äußerst weit weg von meiner Kopfhaut. Ich rege mich auf: „Diese Jugend, die einfach nur Anweisungen vom Ausbilder befolgt, ohne selber mitzudenken.“.
Dann jedoch wird mir klar, dass der Auszubildende mit Kurzhaarschnitt
keine Ahnung haben kann, wie es mit langen Haaren ist. Er hat in seinem Leben noch nie die Erfahrung gemacht, dass das eigene Haar nass sein kann, man es aber nicht spürt. Und da wird mir klar, dass sich scheinbar keiner die Mühe gemacht hat, dem Auszubildenden zu erklären, dass man erst ein paar Sekunden das Wasser über die Kopfhaut laufen lassen muss, damit der Kunde bewerten kann, ob die Wassertemperatur in Ordnung ist.
Erschafft die Digitalisierung grobmotorische Robotermenschen?
Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, habe ich das Gefühl, dass
es immer öfter geschieht, dass Anweisungen ohne Hintergrundinformation
erteilt werden. Wir nehmen uns keine Zeit mehr dafür, anderen Menschen
Dinge richtig zu erklären und viel weniger nehmen wir uns Zeit, uns in
den Anderen hineinzuversetzen. Wenn der Ausbilder sich die Mühe gemacht hätte, den Schritt des Haare Waschens und dem damit verbundenen höflichen Nachfragen richtig zu erklären, würde der Auszubildende nicht wie ein grobmotorischer Roboter wirken, sondern eben wie ein Mensch, der weiß, was er macht. Und dann heißt es, dass es ein Arbeitnehmermarkt geworden ist und es so schwer ist, gutes Personal zu bekommen. Vielleicht sollten wir uns an die eigene Nase fassen und fragen, wieviel Zeit wir wirklich noch investieren, einem Kollegen -nicht digital- sondern von Angesicht zu Angesicht ausführlich zu erläutern,
wie eine Aufgabe umzusetzen ist.

Wann haben wir unser Herz verloren?

Wann ist das passiert? Wann hat man aufgehört sich um jemanden zu
bemühen, Zeit und Muße zu nehmen? Wenn man einen Blick in ein modernes Büro wirft, erkennt man es schnell. Es liegt daran, dass wir alle,
einfach viel zu viel auf dem Tisch haben.
Denn im Zuge der Digitalisierung landen in unserem E-Mail-Postfach
mehr E-Mails pro Minute als wir abarbeiten können. Alles läuft gefühlt
nur noch über die digitalen Plattformen, wo Aufgaben geklärt und verteilt
werden. Das tägliche Meeting wird per skype abgehalten. Eigentlich muss
keiner mehr sein Büro verlassen, um zu kommunizieren.
Aber obwohl es die „Digital Natives“ sind, kommt dies bei der neuen Generation heutzutage nicht gut an. Sogar bei einem nicht digitalen Handwerk, wie beim Frisör, rauben die Medien so viel Zeit, dass E-Mail, Social Media und Co einen stärkeren Einfluss haben als die direkte Kommunikation. Wir haben in Deutschland einen Fachkräftemangel. Vielleicht können wir das ändern, indem wir uns wieder die Zeit nehmen, den Mitarbeitern oder Kollegen etwas intensiv zu erklären.
Und zwar nicht nur was sie tun sollen, sondern wie sie es tun sollen, warum und mit welchem Ziel. Und vor allem muss endlich wieder gelehrt werden, sich verantwortlich zu fühlen. Das bedeutet mit wachem Blick bei der Arbeit zu sein und mitzudenken.
Nur den Mutigen gehört die Welt! Nur den Mutigen gehört die Welt dachte sich auch die dbh Logistics IT AG aus Bremen. Ein traditionsreiches
Unternehmen, gegründet 1973. Als noch keiner an Digitalisierung in der
Logistik gedacht hat, hat dbh schon mit Hochdruck daran gearbeitet.
dbh hat sich in den letzten Jahren zu einem der führenden Unternehmen
für Software und Beratung in den Bereichen Zoll und Außenhandel,
Compliance, Transportmanagement, Hafenwirtschaft, SAP und Cloud
Services entwickelt. Mit ihren Lösungen schaltet dbh die Barrieren im
weltweiten Fluss von Logistikketten zuverlässig und vorausschauend aus.
Die Effizienz aller Warenströme steht dabei im Fokus, damit diese so schnell, sicher und günstig wie möglich ihren Weg zum Ziel finden. Doch in den letzten Jahren hat der neue Vorstand Marco Molitor gemerkt, dass da noch mehr ist. Früher als so manch anderer, erkannte er, dass die immer schneller werdende digitale Kommunikation uns nicht in allen Belangen weiterbringen kann. Daher entschied er sich bei dbh für einen Kurswechsel. Als ich Marco von meinem Frisörbesuch berichte,
erzählt er mir, dass es wichtig ist, den Mitarbeitern zuzuhören, die Mitarbeiter mitentscheiden zu lassen und vor allem die Persönlichkeit aller als größte Ressource willkommen zu heißen. „Bei dbh kann ich so sein, wie
ich bin,“ sagte mir ein Kollege bei der letzten Weihnachtsfeier. Die Ressource „Mensch“ und die Ressource „authentische Emotionen“ wird bei dbh gelebt und gefördert. „Digitalisierung braucht Herz“ hat sich dbh daher auch auf die Fahne geschrieben. Denn nur wer Emotionen fühlt, arbeitet mit Feuereifer und Spaß. Die Mitarbeiter werden motiviert, ihre Talente zu suchen, zu finden und auszuleben. Hier gibt es keine starren Grenzen mehr. „Wer als Empfangsdame eingestellt wird, kann sicher nicht im Marketing arbeiten“, gibt es hier schon lange nicht mehr.
Hier geht es nicht um Stellenbeschreibungen und Pläne, die abgearbeitet werden müssen. Hier geht es um das, was der Mitarbeiter von sich aus einbringen kann und möchte. Hier darf man kreativ werden, darf unkonventionelle Ideen umsetzen und nicht nur nach Anweisung per digitaler Plattform abarbeiten. Führung bedeutet bei dbh, nahbar sein, einen gemeinsamen Herzschlag finden und damit für die gleiche Sache zu kämpfen.
Ist es nicht das, was wir im Herzen alle wollen? Wir wollen auch bei der
Arbeit Freude und Emotionen empfinden, wir wollen lachen und manchmal vielleicht auch vor Wut weinen. Denn nur Emotionen treiben uns an. Wer Mut hat, endlich den Emotionen wieder Einlass in die Arbeitswelt zu gewähren, der hat verstanden, dass das Arbeitsleben Teil unseres Lebens, Teil unseres Daseins und damit Teil unserer Persönlichkeit ist.
„Es gibt noch viel zu tun, aber lass uns mutig sein,“ lächelt Marco mich an,
klappt seinen Laptop zu und schickt mich in den Feierabend.